Verfasst von: yassin1430 | 30/01/2010

Natorhetorik für Groß und Klein

Nicht zum ersten Mal besuchte ich die Landeshauptstadt Schwerin, doch das „Schlossparkcenter“ wurde bislang immer links liegen gelassen. Beim dortigen Flanieren jedoch biss sich prompt ein Produkt in meinen Augen fest. Drei Fahrzeuge mit Tarnfarben in Spielzeugformat. Eigentlich nichts besonderes, gibt es doch ähnliches Spielzeug seit Jahrhunderten. Die Verpackung ist das Besondere. „Peace Convoy“ prangt stolz auf allen Ecken des Pappkartons, in welchem ein Lastwagen, ein Militärhubschrauber sowie eine Kopie des berühmten US-amerikanischen „Humvees“ zu finden ist: der „Konvoi des Friedens“ für Kinderhände. In mir verbreitete sich die Verwunderung, wie leicht – vermutlich ahnungslose Eltern – ihren Kindern Nato Propaganda in die Spielzeugkiste legen können. Von klein an werden unsere Kindern auf das vorbereitet, was in Deutschland lange Jahre unmöglich schien, eine Militarisierung der Gesellschaft und den Rückhalt der Bürger bei Interventionen und Kriegen, egal wo auf dem Planeten und egal gegen wen, für die Interessen diverser Staaten, Lobbys und Konzerne. Mediale Manipulationen vom Verteidigungsministerium bis zu Springer, haben manchen Bundesbürgern mittlerweile den Eindruck verschafft, dass mit kriegerischen Mitteln Frieden, Wohlstand und Sicherheit erreicht werden können. Besonders auffällig ist die Imitierung von US-Rüstungsmaterial, welches für Zerstörung und Okkupation steht und so gesehen wird. Bald schon könnten diese Spielzeugkartons mit „Dingos“ und „Leoparden“ erhältlich sein. Denn während die Bundeswehr mehr und mehr zu einer Angriffs-& Interventionsarmee umgestaltet wird, müssen die „deutsche Seele“ und die Soldatinnen und Soldaten dahingehend indoktriniert werden, da Deutschland bisher stets auf seine Rolle als „Friedensstifter“ wert legte. Vor kurzem erst, kamen Berichte ans Tageslicht, welche offenbarten, dass gezielte Tötungen à la CIA und Mossad durch führende Bundeswehrkreise legitimiert sind und Anwendung finden. Der Vorwurf den Tod von Zivilisten als Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, ist zuletzt in der Debatte um die Kunduzaffäre in Bezug auf das deutsche Militär gefallen.

Die ungebremste Konsumlaune der Bundesbürger in der Woche nach Weihnachten schloss jedoch scheinbar jegliches Interesse für diese Thematik aus. Auch am Ende der kleinen Reise durch Schwerins Konsumoasen schienen die Mitbesucher sich durch nichts ihre Laune vermiesen lassen zu wollen. Politik und Ethik spielen dabei ohnehin eher, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle, auch eine Erscheinung, welche die Meinung zu sogenannten „Friedenseinsätzen“ durchaus zu verändern vermag.

29. Dezember 2009


Das nächste Jahr wird sicher noch schlimmer.


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