
Die letzten Häuser liegen hinten weit zurück. Bäume hier und Bäume dort, keine verdorbene Seele stört. So denkt Heinrich, der wahrlich nicht wie gleichaltrige ist. Welch wunderschöner Ort, die Landstraße ist kaum befahren, keine Menschen verübeln die Einsamkeit. Heinrich, er liebt die Romantik der Wälder und Wiesen. Und damit ist er alleine bei seinen Lieben. Von daher streift er wieder und wieder mit seiner geliebten Abgeschiedenheit. Baum um Baum fühlt er seine Passion. Ob für die Sümpfe Mecklenburgs oder die Felsen an der Saale, seine Faszination ist ungebremst…
Langsam ziehe ich an vergessenen Orten vorbei, mit der Sonne sacht in Vorraus. Sie neigt sich den sanften Hügeln entgegen und errötet die Waldböden, besonders aber meine Wangen. Ich erröte vor der Schönheit des Lebens hier. Alles ist vergessen in unseren hohen Häusern und auf unseren langen Straßen. Hektisch ziehen Mensch und Maschinen sonst aneinander vorbei. Doch Heute ist es anders. Alles.
Es dämmert und der Nebel zieht auf, keine künstlichen Lichter verfälschen diesen Anblick. Ich besinge voller Emphatie diese Momente…
Glanz und ruh’ regiert all’ jene Schönheit,
oft verrufen und zerstört durch des Menschen Torheit.
Weit entfernt des Volkes getümmel,
ganz nah nur die Bläue des Himmel’.
Die Luft, die Luft betäubt mit ihrem sanften Duft,
ich atme, ich atme des Waldes kühle Luft.
Längst vergessen sind Sorge und Frust,
hier herrscht Gott, mit Gewalten bewusst.
Oh Herr zeig mir das schönste der Schöpfung im Nu,
sehen will ich unentdeckten Glanz und Ruh’.
Die Ernte ist abgeschlossen und die Felder scheinen karg und stoppelig, jedoch ist dadurch mehr zu entdecken. Da die Straße gesperrt ist, nehme ich einen Umweg, welch wundervolle Begebenheit. Noch mehr werde ich in die Abgeschiedenheit meiner unentdeckten Heimat geführt. Die Herbstsonne ist nun vergangen und versunken, letzte Helligkeit erleuchtet den Weg. Mystisch stehen die Bäume in Reih und Glied. Umhüllt von Nebel und Gestalten des Abends.Dorf um Dorf lasse ich hinter mir, kritisch beäugt von deren Bewohnern. So schön der Heimat Anblick, so sehr vermisse ich die Ferne. Vergebens suche ich Orte, von denen ich all das erschaffene erblicken kann, im Ganzen. Lediglich einige kleine Hügel passiere ich, auf welche die Schatten der hohen Bäume fallen…
Die Berge hier sind ohne Gipfel,
überragt gar von der Bäume Wipfel.
Die Berge hier sind nur aus Erde,
der vielen Eiszeiten flaches Erbe.
Hohe Stellen such’ ich hier vergebens,
keine Schluchten, keine Gefahr des Lebens.
Auch keine waghalsigen Abenteuer
und keine Reste ältester Gemäuer.
Die Nacht in ihrer schönen Dunkelheit,
hat eh’ bereits verändert des Geist’s Zeit.
Doch für nächsten Morgen ist gewiss,
such’ ich den Gipfel, den so ich vermiss.
Anno 2009 – Tage des Herbstes